July 6, 2009

Presse begeistert: Artikel in der Rhein-Zeitung zur “NdoB”

Mainzer Rhein-Zeitung vom 06.07.2009, „Kultur regional“

Durst im hafengarten schlimmer als Heimweh

Bei der sechsten und wohl letzten „Nacht der offenen Bühne“ im hafengarten gab es zwei Sieger

MAINZ. Soll der Bohlen doch in dieser poofigen Halle bei Köln seine Jüngelchen zu vermeintlichen Superstars päppeln. Im Mainzer Zollhafen gibt es einen genialen Biergarten namens „hafengarten“, einen charmanten Moderator namens Dominic Schreiner, und die Kandidaten für die sechste „Nacht der offenen Bühne“ waren zumindest – nun ja – Originale.

Acht Musiker und Bands balgten sich am Samstag wieder um diese eine Minute Berühmtheit, im „hafengarten“ verliehen von mehreren hundert Zuschauern. Das streng lauschende Volk hatte sich dafür mit grünen und roten Karten eingedeckt. Nach zwei Minuten Darbietung erging das Urteil: Mehr Grün in der Luft hieß fertigspielen und nächste Runde. Mehr Rot meinte Strom aus und tschüss.

So wie bei Toni Lorenzo, der eigenen Vorstellung zufolge aus Kentucky. Der Barde glaubte, mit Coverversionen unter anderem von Cat Stevens sein Glück versuchen zu müssen und wurde vom Publikum frühzeitig des Feldes verwiesen. Oder wie bei „WeiZbrot“. Die jüngsten Teilnehmer waren eigens aus dem Hunsrück angereist, um mit ihrem selbstbewussten Punk die Mainzer zu erobern. Doch die klappten in der dritten Runde unbarmherzig die Zugbrücke hoch.

Nun soll keiner meinen, die „Offene Bühne“ sei frei von Gerede, Gezeter und Gemeinheiten vor und hinter den Kulissen. „Volker, der Trommler“ malträtierte so kunstvoll wie herzklappengefährdend Wasserflaschen und weiteres Schlagwerk. „Warst Du auf der Waldorfschule?“, gab Moderator Schreiner nach Volkers Kastagnetteneinlage für ein Sekündchen den fiesen Dieter. Der Kentucky-Mann ließ auf der Bühne sein Singledasein verkünden und ermunterte gezielt Frauen unter 30, was ihm von vorne herein so manches rotes Kärtchen beschert haben dürfte. Unterdessen mauserte sich das siegesgewisse „Birnli-Duo“ zum Polarisationsfaktor. Die Schlagerpop-Buben bereicherten den Abend um Erkenntnisse wie „Durst ist schlimmer als Heimweh“ und stießen damit durchaus auf goutierendes Johlen. Schließlich sahen aber auch die Birnlis Rot, und das im doppelten Sinne. „Skandal“, motzten sie autogrammverteilend im Abseits.

Am Ende triumphierte das solide Handwerk. Weil das Publikum immer wieder Grün in den Himmel hob, kürte Schreiner kurzerhand zwei Sieger: Die „Bondgirls“ mit sauber vorgetragenem Independent-Pop und „Mr. Twat“ mit dem Comedy-Punk-Hit „Gang Bang im Meerschweinchenstall“. Die beiden Truppen sind nun noch einmal zum Abschluss der „hafengarten“-Saison am 29. August zu erleben. Zu guter Letzt rettete der Kentucky-Mann im gemeinsamen Finale die zunächst eher nachdenklich stimmende Jackson-Hommage „Billie Jean“.

Also Happy End? Mitnichten. Weil das Gelände im Zollhafen bekanntlich bebaut werden soll, war es laut Schreiner wohl die letzte „Nacht der offenen Bühne“ im „hafengarten“. Bohlen darf natürlich weitermachen. Die Welt bleibt ungerecht.

Oliver Nieder

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